Wettquoten – wie sie entstehen und wie Sportwetten-Quoten berechnet werden
Wettquoten spiegeln die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen eines bestimmten Sportereignisses wider. Je niedriger die Quote, desto wahrscheinlicher schätzt der Buchmacher den Ausgang ein – und desto geringer fällt im Gewinnfall die Auszahlung aus.
Quotenformate im Überblick
Je nach Region werden Quoten unterschiedlich dargestellt. Im deutschsprachigen Raum ist die Dezimalquote üblich, in Großbritannien die Bruchquote und in Nordamerika die US-Quote:
- Dezimalquote
Deutschland, Österreich, Schweiz
Beispiel: 2,00
- Bruchquote
Großbritannien
Beispiel: 1/1
- US-Quote
Nordamerika
Beispiel: +100
Alle drei Beispiele beschreiben exakt dieselbe Quote – eine 50-%-Wahrscheinlichkeit mit einfachem Gewinn (Einsatz zurück plus Gewinn in Höhe des Einsatzes). Wir bleiben im Folgenden bei der in Deutschland gebräuchlichen Dezimalquote.
Eine Dezimalquote beginnt immer über 1,0. Wäre die Quote exakt 1,0, bestände für den Buchmacher kein Geschäftsmodell mehr – Sie würden im Gewinnfall lediglich Ihren Einsatz zurückbekommen, ohne jeden Gewinn, tragen aber weiterhin das volle Verlustrisiko. Deshalb zeigen seriöse Buchmacher praktisch nie eine Quote von genau 1,0 an.
Von der Wahrscheinlichkeit zur Quote
Wettanfänger denken oft eher in Wahrscheinlichkeiten als in Quoten – zum Beispiel: „Ich bin mir zu 70 % sicher, dass Mannschaft A gewinnt.“ Die passende Quote dazu lässt sich einfach berechnen:
Faire Quote = 100 / Wahrscheinlichkeit in %
Bei 70 % Wahrscheinlichkeit: 100 / 70 ≈ 1,43
Achtung: In der Praxis werden Sie bei einer tatsächlichen Wahrscheinlichkeit von 70 % kaum je eine Quote von 1,43 oder höher bekommen. Der Grund: Buchmacher sind Dienstleister und müssen von einer Art Provision leben, die sie über den Quotenschlüssel einbehalten (er gibt an, wie viel der jeweilige Buchmacher bei einem Wettmarkt insgesamt an Gewinnen wieder ausschüttet). Bei einem sehr hohen Quotenschlüssel von etwa 97–99 % bekommen Sie punktuell nahezu die faire Quote, in der Regel liegt der Aufschlag des Buchmachers jedoch etwas darüber. Man spricht hier von einem „ausgeglichenen Buch“.
Wie entsteht eine Quote?
Zwischen der Eröffnung eines Wettmarkts (Erstanpreisung einer Spielpaarung) und dem tatsächlichen Anpfiff passiert einiges. Folgende Faktoren beeinflussen die Quotenbildung:
- Angebot und Nachfrage: Wie in jedem Markt bewegt auch das Wettverhalten der Kunden die Quote – besonders sichtbar bei Wettbörsen wie Smarkets, wo Nutzer Quoten direkt gegeneinander anbieten (Back/Lay), bis sich ein stabiler Preis einpendelt.
- Statistisches Material: Aktuelle Form, Tabellenstand, Heim-/Auswärtsbilanz und direkte Duelle fließen direkt in die Kalkulation ein.
- Verletzungen und Sperren: Fällt ein Schlüsselspieler aus, steigt die Quote auf einen Sieg seiner Mannschaft bei praktisch allen Buchmachern kurzfristig an.
- Äußere Bedingungen: Platzzustand, Austragungsort, Schiedsrichter und Wetterbedingungen können einzelne Nebenmärkte (z. B. Anzahl der Tore) deutlich beeinflussen.
Große Buchmacher haben oft nicht die Zeit, jeden Markt selbst über Angebot und Nachfrage einzupreisen. Daher orientieren sich viele kleinere Anbieter an sogenannten Referenzquoten größerer Marktführer wie Pinnacle oder dem asiatischen Buchmacher SBOBet, die für besonders scharf kalkulierte Quoten bekannt sind.
Wer hat die besten Quoten?
Das hängt immer vom jeweiligen Wettereignis und der Wettoption ab – kein Buchmacher kann stets die beste Quote auf jede Wettoption halten. Ein guter Anhaltspunkt ist der bereits erwähnte Quotenschlüssel: Je näher er an 100 % liegt, desto mehr schüttet der Buchmacher an Gewinnen wieder aus. Werte zwischen 95 und 99 % gelten als sehr attraktiv. Da sich Quotenschlüssel und Konditionen einzelner Anbieter laufend ändern, lohnt sich vor jeder Wette ein Blick in unseren aktuellen Buchmacher-Vergleich – dort sehen Sie tagesaktuell, welcher Anbieter bei welchem Wettmarkt vorne liegt.
Außergewöhnliche Wettquoten: Zwei historische Rekorde
Wie realistisch eine außergewöhnlich hohe Quote ist, zeigt sich am besten an zwei der größten Sportsensationen der letzten Jahrzehnte:
- Leicester City
Premier-League-Sieger 2015/16
Quote vor der Saison: 5001 (5000/1)
- Griechenland
Europameister 2004
Quote vor dem Turnier: rund 151 (150/1)
Für einen Einsatz von 1 Euro auf Leicester City hätte man am Saisonende 2016 also 5.001 Euro zurückbekommen. Griechenlands Überraschungscoup bei der EM 2004 in Portugal war mit einer Quote von rund 150/1 zwar ebenfalls eine Sensation, im Vergleich zu Leicester aber „nur“ ein großer Außenseitersieg.
Politische Wetten und Quoten
Auch außerhalb des Sports orientieren sich Buchmacher bei Quoten stark an Umfragewerten – mit gemischtem Erfolg. Sowohl das Brexit-Referendum als auch die österreichische Bundespräsidentschaftswahl endeten 2016 anders, als es die Quoten der meisten Buchmacher im Vorfeld nahelegten. Der Grund: Buchmacher können sich bei politischen Ereignissen kaum auf historische Ergebnisse oder Statistiken stützen und müssen sich weitgehend auf aktuelle Umfragen verlassen – die selbst nichts anderes als geschätzte Wahrscheinlichkeiten sind und sich ebenso irren können wie jede andere Prognose.
Fazit
Eine Wettquote ist im Kern nichts anderes als eine in Zahlen gegossene Wahrscheinlichkeitseinschätzung, abzüglich der Gewinnmarge des Buchmachers. Wer versteht, wie Quoten entstehen und wodurch sie sich kurzfristig verschieben, erkennt leichter attraktive Wetten – und weiß auch, warum sich ein Blick auf mehrere Anbieter fast immer lohnt.